Der Slalom-Start in Levi, eisige Pisten, weniger Ausfälle und mehr Konstanz, «10723 Tore im Training»

Man spricht im Schweizer Techniker-Team
von einer idealen
Vorbereitung, praktisch kein
Skitag ging verloren. Wie viel
Zuversicht verleiht das?

«Entscheidend ist die Qualität der
Trainingspiste, da gabs zuletzt grosse
Fortschritte.InNeuseelandwurdedie
Unterlage mitWasser behandelt, und
sogar in Saas-Fee flog man mit dem
Heli Wasser noch oben, damit die Piste
eisig wird. Wie im Weltcup eben.»

Wie viele Tore haben Sie in der
Trainingsphase durchquert?

«Da gibt es eine Statistik, es waren
genau 10723 Tore.»

Bei einer Rennserie in Neuseeland
siegten Sie Mitte September
in einem Slalom.

«Das zeigtmir zumindest,dass ichauf
dem richtigen Weg bin.»
«Ich brauche keinen
Mentaltrainer»
Ramon Zenhäusern

Auch eine mentale Hilfe?
«Es gibt Skifahrer, die arbeiten mit einem
Mentaltrainer zusammen. Ich
brauche das nicht. In gewissen Situationen
profitierte ich eher von Erfahrungen,
die ich in ähnlichen Momenten
bereits gemacht habe.»

Sie gelten im Skizirkus immer
noch als Student, was die berufliche
Ausbildung neben der Piste
betrifft.

«Ich absolviere per Fernstudium die
Ausbildung zum Bachelor. Das
braucht viel Eigendisziplin. Auf den
Reisen zwischen den Rennen gibt es
jedoch genügend Zeit, um im einen
oder anderen Buch zu studieren.»

Durch Ihren zweiten Rang in der
letzten Europacup-Gesamtwertung
könnten Sie jetzt im Riesenslalom
mit der Nummer 16
starten, ist das ein Thema?

«Langfristig will ich bei zwei Disziplinen
an den Start gehen, also auch Riesenslaloms
fahren.In dieserVorbereitung
habe ich beide Disziplinen forciert.
Doch generell gilt es, jetzt erst
einmal im Slalom weiter vorwärtszukommen.
Dafür muss ich hier ein
Spezialist bleiben.Riesenslalomswerde
ich vorwiegend im Europacup absolvieren.»

Thema Material, gabs Anpassungen
für einen Slalom-Fahrer?

«Im Slalom nicht. Mein Ausrüster
Rossignol hat die Platte angepasst,
grosse Umstellungen gibt es keine.
Zudem sind meine Skis speziell für
mich im hinteren Bereich verstärkt
worden. Wegen meiner Grösse und
des Gewichts. Im Riesenslalom wird
in einem Jahr der Radius wieder von
35 auf 30 m verkürzt.»

Mit einem 7. Platz setzte es für
Sie in der letzten Saison in Adelboden
den Höhepunkt ab. Sind
nun weitere Top-Ten-Platzierungen
zu erwarten?

«Sich konkrete Rangierungen als
Ziel zu setzen, das ist mir zu gefährlich.
Beim Slalom braucht es
wenig, um weit vorne oder weit hinten
zu landen.»

Dann nehmen wir mal die Rangierungen
weg, in welche Richtung
soll es in dieser WeltcupSaison
mit Ihnen gehen?

«Ich will in jedem Rennen mein Potenzial
ausschöpfen können. Dann
liegt eine Steigerung drin.»

Und die Konstanz muss grösser
werden.

«Ja, zweifellos. In der letzten Saison
erreichte ich bei rund 50 Prozent der
Slaloms das Ziel nicht, da gab es doch
Zweifel. Es entspricht immer einer
Gratwanderung: auf Risiko zu fahren,
um ein Topresultat zu erreichen.
Oder eher verhaltend, um wieder einmal
ein Rennen zu beenden. Im Europacup
gabs bei mir in der letzten Saison
nur einen Ausfall, da war die
Sicherheit grösser. Diese Konstanz
muss ich jetzt auch in den Weltcup
hinüberbringen.»

Der Saisonstart erfolgt diese
Woche in Levi, wie kapital ist
der Auftakt?

«Zuletzt bin ich eigentlich immer gut
in die Weltcup-Saison gestartet. In
Levi qualifizierte ich mich vor einem
Jahr für den zweiten Lauf. Der obere
Teilmit eher flachemVerlaufistideal
für mich. Flutlicht und Klima sind in
Finnland speziell. Die Lichtverhältnisse
sind keineswegs gut, die Temperaturen
bewegen sich im zweistelligen
Minusbereich. Deshalb sind die
vorher angesetzten Trainingstage in
Levi für mich enorm wichtig.»

Mit 24 Jahren seit vier Jahren im
Weltcup, in der letzten Saison
in der FIS-Slalom-Wertung auf
Position 26. Wie gut kann man
finanziell davon leben?

«Vom Verband werden Reise und Unterkunft
übernommen, reich werde
ich in der jetzigen Situation nicht.
Wirklich Geld verdienen kann man
im Ski-Weltcup wohl nur in den Top-
7 jeder Disziplin.»

Patrick Küng hat sich darüber
beklagt, das private Sponsoring
der Weltcup-Fahrer werde durch
die FIS zu sehr eingeengt.

«Als Fahrer hat man die Möglichkeit,
einen Kopf-Sponsor zu verpflichten.
Co-Sponsoren sind auch möglich,
doch die dürfen auf der Ausrüstung
nicht platziert werden. Bis man im
Weltcup Fuss gefasst hat, sind die
finanziellen Aufwendungen für die
Elternunddas Umfeldenorm.ImVergleich
zu den Fussballern oder Eishockeyanern
sind wir benachteiligt.»

Benötigen Sie für das Drumherum
einen Manager?

«Nein, solche Sachen erledigt bei mir
mein Vater.»

Interview: Hans-Peter Berchtold